Zu wissen, wer und was du NICHT bist, ist fast noch wichtiger, als das Gegenteil

 

Je nachdem, wie weit die eigene Selbstfindung schon gediehen ist, wissen wir sehr viel über uns. Wir wissen im Bestfall, was wir gut können, was uns Freude macht, was unsere Leidenschaft ist und was unser „Warum“ ist.

Was oft übersehen wird: Was wir nicht sind – und damit wer wir nicht sind, ist genauso wichtig, herauszufinden.

Dieses Essay geht der Sache auf den Grund und liefert Anregungen, wie wir mit dem „Nichtsein“ Frieden schließen können.

Das Pinguin-Prinzip: eine Lektion in Selbsterkenntnis

 

Als Dr. Eckart von Hirschhausen noch hauptberuflich Komiker und Moderator war, erzählte er gerne die Geschichte, als er in Norwegen einem Pinguin begegnete. Er hielt ihn spontan für ein „armes Würstchen“, weil er als Vogel nicht fliegen und ohne definierte Knie nur watscheln kann.

Dann beschloss das „Würstchen“ es ihm zu zeigen: Der Pinguin sprang vom Felsen ins Wasser und schwamm in eleganten und rasanten Bewegungen davon. Jetzt war er buchstäblich in seinem Element.

Pinguine mögen zwar nicht fliegen können, doch sie sind meisterhaft im Schwimmen und sehen dabei unglaublich elegant aus. Mit der Energie von umgerechnet einem Liter Benzin kommen Pinguine bis zu 1000 Kilometer weit. Das kann bisher keine von Menschen entwickelte Technologie leisten!

Die Moral dieser Geschichte: Pinguine sind zwar Vögel. Aber die Luft ist nicht ihr Element. Es ist das Wasser. Und das wissen sie ganz genau.

Sich mit anderen vergleichen schadet viel mehr, als es nützt

 

Im Tierreich ist das Vergleichen, so ist zu vermuten, nicht allzu verbreitet. Ausnahme ist vielleicht die Brunftzeit, wenn Männchen vieler Arten miteinander um die Weibchen konkurrieren. Doch das ist wohl eher Instinkt, als bewusstes Vergleichen.

Wir Menschen lernen schon sehr früh, dass es darum geht, mindestens so „gut“, wie die anderen zu sein. Wir werden gleich nach der Geburt vermessen und gewogen und die Maße werden mit anderen Neugeborenen verglichen. Abweichungen können kritisch sein. Das Ziel ist meist: der Norm zu entsprechen.

Und das bleibt vielen von uns ihr Leben lang erhalten, wenn auch unbewusst. Denn das Ego befeuert den „Wahn“ des Vergleichens beinahe ohne Unterlass. Schlimmer noch: Es will alle anderen übertreffen. Stichwort: Selbstoptimierung. Lernen, sich dem zu entziehen, ist eine relevante Facette der Selbstfindung.

Die Selbstfindungsreise kann lange dauern – doch sie lohnt sich

 

Bei vielen Menschen läuft die erfolgreiche Reise zu sich selbst so ab, dass sie immer wieder einen Punkt im Leben erreichen, an dem sie das deutliche Gefühl haben: Es ist Zeit für etwas Anderes.

Das kann ein neuer Job sein, eine neue Partnerschaft (oder keine), ein Umzug, eine ehrenamtliche Aufgabe, ein neues Hobby, eine Reise und vieles mehr. Diese Punkte treten mehrmals und immer wieder auf, im Abstand von Wochen, Monaten oder Jahren.

Meist gibt es an dieser Stelle einen „Weg-Weiser“, also ein Zeichen, das uns überdeutlich sagt: Hier geht es lang! Alternativ oder zusätzlich treffen wir auf Menschen, die ich „Helferlein“ nenne. Das sind diejenigen, die uns „der Himmel“ schickt, weil sie uns gerade jetzt bei unseren Herausforderungen helfen können.

Sie haben ein Werkzeug, eine Methode, ein Talent oder einfach nur einen Tipp für uns. Manchmal ist es eine Therapie, manchmal einfach nur ein einziger Satz, die uns weiterbringen.

Öfters als gedacht können auch Menschen, die uns unsympathisch sind und uns aufregen, zu „Helferlein“ werden. Denn diejenigen, die bei uns starke (negative) Gefühle auslösen, treffen oft unbewusst einen Punkt in uns, den wir lange ignoriert haben.

Sie sind dafür da, dass wir diesen Punkt endlich genauer anschauen und uns damit versöhnen. Begegnen dir solche Mitmenschen darfst du ihnen innerlich dankbar sein, auch wenn es dir zunächst schwerfallen mag.

Wie findest du heraus, was und wer du nicht bist?

 

Der Titel meines Buches „Schmetterlinge fallen nicht vom Himmel“ macht es deutlich: Ein Schmetterling entsteht nicht einfach so beim Fingerschnippen. Er durchläuft als Raupe einen vorgegebenen Ablauf und muss da einfach durch, bis die Zeit zum Schlüpfen reif ist.

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Für dich als Mensch heißt das: Bis sich dir dein wahrer Kern und damit deine Lebensaufgabe klar und deutlich präsentiert, kann eine Weile vergehen. Denn du deckst Schicht um Schicht auf und ent-wickelst dich buchstäblich.

Das geht meist nach dem Prinzip „Trial-and-Error“, also „Versuch und Irrtum“ vonstatten. Denn: Die meisten von uns können nicht einfach loslassen, was sie daran hindert, sie selbst zu sein. Wir müssen erst einmal herausfinden, was damit wirklich gemeint ist.

Die Essenz in dir selbst erkennen

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Indem du unterschiedliche Wege gehst und dich ausprobierst, lernst du dich wie nebenbei immer besser kennen. Natürlich nur, wenn du hinschaust und hinhörst und dir immer wieder Zeit nimmst, das Erlebte und Gelernte zu reflektieren.

Es hat sich bewährt, die eigenen Erkenntnisse aufzubewahren, zum Beispiel in einer „Akte ICH“. Dort kannst du alles sammeln, was du über dich herausfindest. Bei mir liegen dort die Ergebnisse diverser Tests und Analysen, eigene Notizen, Tagebucheinträge und Erinnerungen an besondere Ereignisse.

Tatsächlich muss ich in diesen Ordner schon seit längerem nicht mehr schauen. Denn ich habe so verinnerlicht, was meine Essenz ist, dass ich ganz intuitiv passende Entscheidungen treffe. Wie ein echter Schmetterling.

Dennoch bin ich ehrlich: Es kommt vor, dass auch ich in alte Gewohnheiten verfalle. Wie gerade vor kurzem, als ich viel zu viele Termine im Kalender hatte und mich erst eine Erkältung zum Innehalten zwang. Ein ganz typisches Muster, wenn der Körper einschreiten muss, weil die Seele nicht zu uns durchdringt.

Ein Pinguin auf einer Eisscholle mit ausgebreiteten Flügeln.

Exklusiv für dich: Einige Erkenntnisse, was ich nicht bin:

 

  • keine Modedesignerin

  • keine Bankberaterin

  • keine Animateurin
  • keine Recruiterin

  • keine Auditorin

  • keine Online-Unternehmerin

  • keine Assistentin

  • keine Eventmanagerin

  • keine Hausfrau und Mutter

  • keine Rocksängerin

  • keine Abteilungsleiterin

Diese Liste ist bestimmt nicht vollständig, aber sie macht deutlich, dass ich mich in typischen Rollen oder Funktionen im (Berufs)Leben ausprobiert habe. In manchen mehr in anderen weniger.

Beim Ausprobieren fand ich heraus: Ich konnte viele dieser Rollen oder Aufgaben formal erfüllen, meist sogar sehr gut. Aber ich war nicht wirklich in meinem Element, wenn ich sie ausübte. Oft habe ich einfach nur die Anforderungen erfüllt, die die Gesellschaft an mich stellte. Ich funktionierte und war nach außen erfolgreich.

Einige kosteten mich unglaublich viel Energie. Andere raubten mir den Schlaf. Andere sorgten für Existenzängste. Wieder andere nahmen mich zu sehr in Anspruch. Und einzelne schadeten mir körperlich und seelisch sehr.

Ein einfaches Beispiel ist das Moderieren. Ich bin sehr gut darin, kleine und große Mengen von Menschen zu unterhalten und ihnen eine gute Zeit zu bereiten.

Doch: Weil ich introvertiert bin, kostet mich das jedes Mal sehr viel Energie und ich brauche ausreichend Zeit, um mich mental vorzubereiten und um zu regenerieren. Aus diesem Grund kann ich daraus keinen Beruf machen, einfach weil ich nicht in der Lage bin, ständig ohne Wenn und Aber zu performen, wenn es nötig ist.

Ein Schmetterling denkt nicht mehr an seine Zeit als Raupe. Er ist voll und ganz Schmetterling.

Es war nicht leicht, die gut einstudierten Rollen wieder ziehen zu lassen. Gerade das Singen und das Unternehmertum hätte ich wirklich gerne perfektioniert. Doch mir ist irgendwann klar geworden, dass mein Gabenpaket sich anders zusammensetzt.

Das heißt nicht, dass ich als Unternehmerin nicht erfolgreich war (zumindest in meiner Definition) oder dass ich nicht auf Bühnen singen kann.

Es heißt, dass ich die vorhandenen Talente und Leidenschaften in mir in einer anderen Form ausübe. Zum Beispiel singe ich in einem Rock- und Popchor. Und ich unternehme und bewege sehr viel, wenn auch nicht als offiziell „registrierte“ Unternehmerin.

Ein bunt geschminkter Clown mit Hut auf einem Foto. Davor ein pompöses Blumenbouqet.

Wann lernen wir am meisten über uns?

 

Bei mir fiel die Phase, in der ich als Selbstständige und Unternehmerin tätig war, mit meiner Zeit im Kokon zusammen. In meinem Fall war also das Aufbauen eines Unternehmens der Weg, um mich selbst besonders gut kennenzulernen.

Bei anderen kann dies etwas Anderes sein: etwa Kinder großziehen, eine Ehe (oder etwas Ähnliches) zu führen oder auch eine Scheidung zu überstehen, ein Haus zu bauen oder selbst zu renovieren, kranke, alte oder behinderte Angehörige pflegen, einen anspruchsvollen Job auszuüben etc.

Es ist bei uns allen etwas Anderes, und zwar das, was am intensivsten bei uns persönlich wirkt. Nicht immer ist uns das bewusst, aber im Nachhinein ist es oft deutlich sichtbar und beantwortet viele Fragen.

Natürlich spielen alle Lebensabschnitte mit hinein in die eigene Selbsterkenntnis. Doch die Phase des Kokons, die heilende Vorbereitung, ist die, in welcher sich der Schmetterling wahrhaftig ent-wickelt.

Den passenden Lebensmittelpunkt finden

 

In Spanien zu leben war für viele Jahre mein Wunschtraum. Hätte ich den Begriff damals schon gekannt, wäre das einer meiner „Big Five For Life“ gewesen.

Als ich mir den Traum erfüllte und in Valencia die Grundlage für mein erstes eigenes Unternehmen legte, machte mich das sehr froh. Ja, es erfüllte mich geradezu. Allerdings nicht, weil ich in Spanien lebte. Sondern wegen der Art und Weise, wie ich dort lebte und wie und womit ich meine Tage gestaltete. Ich war damals sehr in Balance mit meinen Bedürfnissen.

Ich erkannte: Es kommt nicht darauf an, wo du lebst, sondern wie du lebst.

Leben wie eine Göttin in Spanien

Ich besuche in Valencia jede Woche viele unterschiedliche Museen und Läden, gehe in Kirchen und auf Festivals, entdecke kreative Cafés und Galerien, stöbere auf Märkten und nehme an Gratis-Freiluftkonzerten teil.

Kurzum, ich tue all das, was ich in Dubai nicht tun konnte. Meist ungeschminkt, in Jeans und in bequemen Schuhen – und ohne sehr viel Geld zu brauchen. Am treffendsten beschreibt wohl der Begriff Boheme meine damalige Lebensweise. Ich bin also eine Bohemienne in Valencia.

Das Bedürfnis, die Stadt zu verlassen, habe ich nicht. Zu abwechslungsreich ist das, was sie bietet, und zu frei fühle ich mich. Dieses Gefühl hole ich mir noch heute mental zurück, wenn mich meine Verpflichtungen und Routinen nerven. Dabei frage ich mich: Was kann ich tun, um in den Valencia-Modus zu kommen?

– Auszug aus dem Buch „Schmetterlinge fallen nicht vom Himmel“ von Gabriele Feile

Meine allerwichtigste Erkenntnis:

 

Meine Lebensaufgabe ist viel mehr als eine Berufsbezeichnung, ein Hobby oder eine Aufgabe. Sie ist übergreifend und lässt sich in allen Rollen wunderbar erfüllen. Ich werde dafür weder von jemandem gebucht, noch bezahlt. Doch ich bin genau dafür vorgesehen, seit Tag 1.

Es ist ein sehr erleichterndes Gefühl zu wissen, dass ich überall richtig bin, unabhängig davon, wie ich im Vergleich zu anderen abschneide.

Ich kann Brücken zu scheinbar unerreichbaren Orten bauen, wo immer ich gerade bin. Das geht singend, unternehmerisch, redend, assistierend, im Ehrenamt, politisch, als Gastgeberin im Frequenz-Raum, als Initiatorin der Frequenz-Zeit, als Autorin oder als Texterin.

Kurzum: als Ich in all meinen Facetten.

Und das Beste: Es ist überhaupt nicht anstrengend. Denn ich habe alles in mir, was ich dazu brauche.

Und jetzt zu dir:

 

Ich lege dir hier und jetzt ans Herz, immer daran zu glauben, dass du genau richtig bist, so wie du bist. Probiere dich gerne weiter aus und beobachte, welche Superkräfte du in all deinen Rollen einsetzt. Damit bist du wirksam in der Welt. Und daran werden Menschen sich noch lange erinnern.

Sei dir gewiss: Du hast alles bereits in dir und brauchst nicht „im Außen zu performen“, um deine Lebensaufgabe zu erfüllen.

Sei so, wie du gedacht bist und tue, wofür du gemacht bist.

 

Deine Gabriele

 

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