Unfreundliches Verhalten fällt sofort auf! Ein Kellner, der mürrisch die Bestellung aufnimmt, eine zickige Zugbegleiterin, die pampige Kundin am Telefon oder der unverschämte Kollege, der grundsätzlich seine Tasse nicht in den Geschirrspüler räumt.

Wenn uns Unfreundlichkeit begegnet, regt das viele Menschen eine ganze Weile auf. Wir lassen uns oft genug die Laune davon verderben, erzählen es weiter und fühlen uns am Ende des Tages noch schlechter.

Wie wäre es, wenn wir unseren Fokus auf die freundlichen Gesten legten? Und zwar auf die, die uns begegnen und auf die, die wir selbst verteilen? Welche Folgen unendliche Freundlichkeit hat – darum geht es in diesem Essay.

Willst du Menschen maximal irritieren – ohne Aufwand?

 

Dann grüße Fremde in der Öffentlichkeit!

Falls du wie ich auf dem Land aufgewachsen bist, findest du das normal. Uns Kindern wurde beigebracht, andere Menschen auf der Straße mit einem freundlichen „Grüß Gott“ zu grüßen. Das tun die Kinder in meinem Heimatdorf heute noch, zumindest die meisten.

Als ich in verschiedenen Großstädten lebte, habe ich das natürlich vermieden, wenigstens am Hauptbahnhof oder in Einkaufszentren. In meiner Nachbarschaft grüßte ich Menschen allerdings immer und fand es befremdlich, wenn diese ohne ein Wort an mir vorbeigingen – etwa im Treppenhaus.

Vor allem, wenn ich im Wald bin, habe ich mir angewöhnt, die Leute zu grüßen. Das ist auch etwas eigennützig. Denn als Frau alleine im Wald kann man sich schon mal mulmig fühlen. Besonders, wenn ein einzelner Mann (oder gar eine Gruppe Männer) auf einen zukommt.

Ich denke mir: Schau ihnen in die Augen und grüße freundlich. Dann kannst du sie im Falle eines (Über-)Falles später identifizieren. Außerdem bin ich sicher: Wer nett zurückgrüßt, greift mich nicht an. Diese Strategie klappt bis heute.

Was mich wirklich wundert, ist, dass vor allem junge Menschen alle möglichen Ausflüchte suchen, um nicht zu grüßen, wenn wir uns begegnen. Ich kann schon von weitem erkennen, dass sie angestrengt in eine andere Richtung (oder aufs Smartphone) schauen, wenn sie alleine unterwegs sind, oder sich besonders tief in ihr Gespräch vertiefen, wenn sie in einer Gruppe sind.

Mich hält das nicht davon ab, freundlich „Hallo“ zu sagen. Oft genug schauen sie mich erschrocken an und grüßen reflexartig zurück. Auch wenn sie nicht grüßen, hege ich die Hoffnung, dass durch meinen beherzten und unverblümten Kontaktversuch, sie sich trauen werden, die nächste Person, die sie treffen, aktiv zu grüßen. Denn dann hätte mein freundliches Verhalten genau den Effekt, der ihm zugeschrieben wird.

 

ein Mann und eine Frau grüßen sich auf der Straße

Freundlich sein ist nämlich ansteckend

 

In Studien wurde herausgefunden, dass Menschen sich anderen gegenüber freundlicher verhalten, wenn sie selbst Freundlichkeit erfahren haben.

Plus: Wenn du freundlich bist, beeinflusst das nicht nur die Menschen, die direkt davon profitieren, sondern auch Menschen, die dein Verhalten beobachten. Idealerweise handeln sie auch selbst gleich freundlicher. Die Kettenreaktion, die sich so langsam ausbreitet, nennt sich „Ripple Effect“ (Deutsch: Welleneffekt).

Mit einer kleinen freundlichen Geste kannst du eine Kaskade von positiven Interaktionen auslösen, die weit über die ursprüngliche Handlung hinausreicht. Besonders schön wurde das in dem Film „Das Glücksprinzip“ aufgezeigt. Ein kleiner Junge startet die Kettenreaktion und beeindruckt und beeinflusst damit viele Erwachsene.

Freundlich sein ist gesund

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Freundlichkeit wirkt wie ein Stimmungsaufheller. Sie wirkt entspannend und angstlösend. Und: Sie ist kostenlos und mit wenig Aufwand verfügbar.

Ja, die Stimmung des Gegenübers wird sofort besser, wenn wir ihm oder ihr freundlich begegnen. Doch nicht nur das: Weil die Person sich gesehen und wahrgenommen und vor allem respektvoll behandelt fühlt, spiegelt sie uns genau das zurück.

Das hast du doch bestimmt schon erlebt: Wenn du in einer Alltagssituation, zum Beispiel an der Supermarktkasse, etwas Nettes sagst oder tust und dafür ein aufrichtiges Danke bekommst, geht es dir selbst auch sofort besser. Freundlichkeit ist also auch egoistisch – im positiven Sinne. Oft reicht übrigens schon ein Lächeln – und dein Gegenüber lächelt zurück.

Warum ist das so? Wer freundlich ist, löst die Ausschüttung von Glückshormonen aus. In der Folge steigt das Wohlbefinden, Stress wird abgebaut und das Immunsystem wird gestärkt. Freundlichkeit wirkt sogar blutdrucksenkend und kann Schmerzen lindern.

Freundlichkeit macht zufrieden

 

Forschende an der Universität von British Columbia fanden in Untersuchungen heraus: Personen, die wenigstens einmal täglich sowie an 6 Tagen der Woche etwas für andere taten (wie etwa: einen Kaffee ausgeben, die Tür aufhalten, einen Euro spenden o. ä.), hatten nach nur 4 Wochen eine deutlich positivere Lebenseinstellung. Sie waren zufriedener mit ihrem Leben und führten ganz allgemein bessere Beziehungen zu anderen Menschen.

Freundlichkeit macht erfolgreich

 

Im Berufsleben gilt oft noch: Ellbogen sind wichtiger als Freundlichkeit. Gerade Menschen in Führungspositionen wird oft geraten: Du musst dich durchsetzen! Und wer Karriere machen will, sollte bloß nicht zu nett sein. Denn dann wird man ausgenutzt oder übergangen.

Es kann sein, dass sich auch heute noch Menschen so nach oben boxen. Doch tatsächlich siegt Freundlichkeit immer. Besonders deshalb, weil sie gute Gefühle auslöst, bei uns und bei anderen (wie wir gelernt haben). Außerdem gehen Menschen, die freundlich sind, leichter durchs Leben. Das gilt auch für berufliche Beziehungen. Wer sich freundlich verhält, bleibt positiv in Erinnerung und die Wahrscheinlichkeit, dass jemand einem hilft, wenn es nötig ist, ist höher. Wer hilft schon gerne „Kotzbrocken“?

Erinnerung für uns alle: In der Tat ist es, trotz aller Freundlichkeit wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und für sich abzustecken. Es nützt niemanden, am wenigsten dir selbst, wenn du dich für Andere verausgabst und dich selbst dabei vergisst. Du musst also nicht zu allem Ja sagen, um als freundlich zu gelten. Ein höfliches und freundliches Nein ist oft mehr wert, als ein erzwungenes Ja. Das wirkt souverän und kompetent und verleiht einem echten Ja mehr Wert.

Freundlichkeit

= das anerkennende, respektvolle und wohlwollende Verhalten eines Menschen.

Auch: die innere wohlwollende Geneigtheit gegenüber der eigenen sozialen Umgebung.

Wer freundlich ist, wird oft als liebenswürdig, warmherzig, hilfsbereit oder gütig beschrieben.

Gegenteil von Freundlichkeit:

Feindseligkeit oder Aversion

Willst du mehr Freundlichkeit in dein Leben bringen? So geht’s:

 

1. Entscheide dich dazu, freundlich zu sein

Die Haltung macht den Unterschied. Möchtest du als freundlicher Mensch gelten? Dann sei es. Du wirst sehen: Auch an schlechten Tagen wird dir die konsequent freundliche Haltung von innen heraus helfen, freundlich zu sein. Hier zählt auch Verbindlichkeit, um von der Außenwelt als freundlicher Mensch gesehen zu werden. Das heißt, kontinuierlich und von Herzen freundlich sein.

2. Sei freundlich zu dir selbst

Oft gehen wir mit uns selbst viel schlechter um, als mit anderen Menschen. In unseren Selbstgesprächen (ob laut oder leise) schimpfen wir über uns selbst und geben uns Schimpfnamen. Das muss wirklich nicht sein! Jeder Mensch hat es verdient, von dir freundlich und respektvoll behandelt zu werden – auch du!

3. Die anderen sind nicht schuld

Auch wenn es einfach ist, den anderen die Schuld zuzuschieben, wenn dir was Schlechtes passiert. Sie sind nicht für dein Leben verantwortlich. Einzig du bestimmst mit deiner Haltung (siehe oben), wie du auf schwierige Situationen reagierst.

4. Erkenne an, wenn andere freundlich sind

Bedanke dich bei deinen Mitmenschen, schenke ihnen ein Lächeln und „zahle“ ihnen ihre Freundlichkeit zurück. Oder reiche diese weiter an andere Menschen (siehe oben). Du darfst ruhig sagen, wenn du jemanden besonders freundlich erlebst. Indem du das tust, verteilst du Wertschätzung. Diese hat ähnlich weitreichende Wirkungen wie die Freundlichkeit.

5. LMAA: Lächle mehr als andere!
Ein Lächeln ist die kürzeste Entfernung zwischen zwei Menschen. Gewöhne dir an, oft und gerne zu lächeln – auch mit den Augen und dem Herzen.

6. Sei aufmerksam und präsent

Leg dein Handy weg, wenn du mit anderen sprichst. Schau dein Gegenüber an und höre wirklich zu. Nicht, um zu antworten, sondern, um zu verstehen.

7. Respekt und Empathie kultivieren

Respekt ist etwas, das jeder Mensch verdient, unabhängig von Alter oder Status. Für die Schmetterlingsfrequenz heißt das: Auch, wenn dein Gegenüber noch eine Raupe ist oder sich im Kokon versteckt, kannst du sicher sein, dass ein Schmetterling in ihm steckt.

8. Gelegenheiten zum Freundlichsein nutzen

Es gibt jeden Tag unzählige Chancen, freundlich zu sein. Nutze sie! Warte nicht, bis andere dir freundlich begegnen, sondern gehe voran und sei die erste Person, die Freundlichkeit verteilt, gleich am Morgen.

Positiver Nebeneffekt von Freundlichkeit für dein Gehirn

 

Je öfter du freundlich bist, desto mehr erinnert sich dein Gehirn daran. Denn es verändert sich dank Neuroplastizität. Irgendwann ist Freundlichkeit das „normale“ Verhalten, das du an den Tag legst. Es gelingt dir ohne Mühe. Das spürt die Welt – und das spürst du!

Mein Fazit: Freundlichkeit verteilt sich wie von selbst und wirkt viel nachhaltiger als Unfreundlichkeit.

 

MIT FREUNDLICHKEIT GEWINNEN ALLE

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